Von welchen Annahmen geht die Systemische Therapie aus?

Systemische Therapie und Beratung begreift menschliches Handeln als ein Handeln in sozialen Systemen. Solche Systeme setzen sich ganz unterschiedlich zusammen, als Familie, als Paar, als Kollegenkreis am Arbeitsplatz und vieles mehr.

Da wir uns ständig in sozialen Bezügen bewegen, kann unser Handeln und unser Erleben nicht unabhängig voneinander gesehen werden. Wir beeinflussen uns ständig gegenseitig. Dadurch bilden sich mit der Zeit ganz unbewusst und ohne eigenes Wollen Verhaltens- und Interaktionsmuster aus, die nach festen, vorhersagbaren Regeln funktionieren, von den Beteiligten meist aber nicht erkannt werden.

Somit ist die Entstehung von Schwierigkeiten und Problemen im sozialen Miteinander zu suchen und folglich auch deren Lösung. Aus diesem Grund werden in der Systemischen Therapie alle Beteiligten eines Systems (z.B. einer Familie) in die Therapie mit einbezogen. Dies kann in der Weise geschehen, dass alle an den Sitzungen teilnehmen oder dass der Einfluss aller im System Beteiligten beachtet und thematisiert wird.


Wie arbeitet die Systemische Therapie?

In der Systemischen Therapie und Beratung wird also nicht der Einzelne als "gestört", als krank oder gar als Schuldiger angesehen, sondern die in einem System vorherrschenden Sichtweisen, Interaktionsmuster, Ideen oder inneren Bilder, die nicht oder nicht mehr funktional sind, werden mit der Entstehung der vorhandenen Schwierigkeiten und Probleme in Verbindung gebracht.

Indem diese Interaktionsmuster, Ideen oder inneren Bilder, die ja in der Regel nicht bewusst sind, sichtbar gemacht werden, entsteht die Möglichkeit von Veränderung. In den Sitzungen wird dieses Erkennen und Sichtbarmachen erarbeitet. Um den dann anstehenden Veränderungsprozessen im System Zeit zu geben, sind die Abstände zwischen den Sitzungen vergleichsweise groß, in der Regel 2 bis 4 Wochen. Insgesamt erstreckt sich eine Systemische Therapie über etwa 10 bis 15 Sitzungen, benötigt also etwa ein bis eineinhalb Jahre.


Systemische Therapie oder Familientherapie?

Die ersten familientherapeutischen Ansätze traten in Deutschland in den 60er Jahren auf. Ausgangspunkt war die Erfahrung, dass Kinder nach einer erfolgreichen Einzelbehandlung häufig erneut Symptome und Probleme zeigten, als sie wieder zurück in ihren Familien waren. Als dann auch die Eltern und Geschwister zu den Therapiesitzungen mit eingeladen wurden, also die Therapie mit der ganzen Familie durchgeführt wurde, zeigte sich, dass die Symptome der Störung dauerhafter verschwanden und weniger Rückfälle nach Behandlungsende zu verzeichnen waren.

In den 80er Jahren entwickelte sich aus der Vielzahl familientherapeutischer Ansätze die Systemische Therapie oder auch Systemische Familientherapie, indem Konzepte entwickelt wurden, mit denen auch andere Systeme als die Familie behandelt oder beraten werden konnten, z. B. Paare, Lebensgemeinschaften, Einzelpersonen, Teams, Arbeitsabteilungen.